DIE KONGREGATION UNSERER LIEBE FRAU VON SION

In der Kirche und in der Welt von heute

ist berufen, durch ihr Wort und durch ihr Leben Zeugnis dafür abzulegen, dass Gott seiner Liebe zum jüdischen Volk treu ist. Die Arbeit der Kongregation zielt auf die Erfüllung der Verheißungen von Gerechtigkeit und Frieden, die durch die Propheten der ganzen Menschheit verkündet wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kongregation wurde gegründet, um "in der Kirche und in der Welt Zeugnis zu geben dafür, dass Gott in Treue zu seiner Liebe zum jüdischen Volk steht, und sie sollte die "Erfüllung der Verheißungen beschleunigen", die "Juden und Heiden" betreffen." (Konstitution, Artikel 2; vgl. Th. Ratisbonne, Mes Souvenirs, S. 198)

 

 

 

Theodore Ratisbonne wurde 1802 in Straßburg in eine jüdische Familie hineingeboren, die im Begriff war, sich zu assimilieren. Er wuchs auf in einer Atmosphäre des Lernens und der Zuneigung, wo Religion aber keine wesentliche Rolle spielte. "Religion war abstoßend für mich, meine eigene wie auch jede andere." Eines Tages entstieg seiner Verwirrung ein Gebet: "O Gott, wenn es Dich wirklich gibt, dann lass mich die Wahrheit erkennen, und ich schwöre, dass ich ihr mein Leben weihen werde."

 

 

 

Der Unterricht durch einen jungen Philosophieprofessor, Louis Bautain, dessen Studien eine biblische Grundlage hatten, brachten Theodore langsam auf den Weg, den Gott des Alten und des Neuen Testaments zu entdecken. Er wurde mit 24 Jahren am Karsamstag, den 14. April 1827, durch Louise Humann getauft. Während seines Lebens als Christ und später als Priester, inspirierte ihn das Wort Gottes und rief ihn zu einem apo-stolischen Leben. Ein Ruf, der sich erst 15 Jahre später erfüllen sollte.

 

 

 

Am 20 Jänner 1842 beschloss auch sein jüngerer Bruder Alphonse, Christ zu werden, nachdem ihm Maria in Rom erschienen war. Im Lichte des göttlichen Wortes erkannte Theodore dies als ein Zeichen Marias, und er gründete 1843, angeregt durch seinen Bruder, die Schwesternkongregation "Unsere Frau von Sion". 1852 versammelte er eine erste kleine Gruppe um sich, aus der dann die Kongregation der "Brüder unserer Frau von Sion" entstehen sollte.

 

 

Der Name "Unsere Liebe Frau"

 

Die Kongregation entstand durch die Initiative Marias, die Alphonse Ratisbonne am 20. Jänner 1842 in der Kirche Sant' Andrea delle Fratte in Rom erschienen war.

"Sion ist der wahre Familienname Maria´s." (Theodore Ratisbonne)

Der von unserem Gründer gewählte Name Unsere Liebe Frau vom Sion weist darauf hin, welche Bedeutung Maria für uns hat. Als Tochter Sions im höchsten Sinn des Wortes lebte sie den Glauben und die Hoffnung ihres Volkes in deren ganzer Fülle.
Indem sie in Freiheit "ja" sagte zum Wort Gottes, wurde sie die Mutter Jesu und folgte ihm bis zum Kreuz.
Sie war gegenwärtig in der frühen Kirche. Sie ist schon in die Fülle der Erlösung aufgenommen, und so bedeutet sie für uns Bestätigung jenes Zieles, auf das hin wir alle berufen sind.
(Konstitution, Artikel 9)

 

 

 

Sion

Sion ist der biblische Name für Jerusalem, die Stadt des Friedens, das Symbol des Volkes Israel, zu dem Maria gehört. Es ist auch das Jerusalem am Ende der Zeit, die Zukunft, auf die hin wir uns bewegen, der Ort, wo Israel und alle Völker vereint sein werden.

"Dieses Wort weckt alle Hoffnung unserer Berufung." (Theodore Ratisbonne)

 

 

Das Wort Gottes leben
Dies war von Anfang an Pater Theodore´s Wunsch: "So wie Maria, die Tochter Sions, all diese Dinge in
ihrem Herzen bewahrte", so sollten die Schwestern das Wort Gottes leben. Die heilige Schrift sollte gemeinsam mit der Eucharistie ihr Brot sein und so die Grundlage ihres Gebetes, ihres Lobpreises, des Austausches in der Gemeinschaft, die Mitte ihrer Studien und die Grundlage ihrer Wahl apostolischer Aufgaben bilden.

 

 

Die Stimme der jüdischen Tradition hören
Mit der Bibel leben, sie im Lichte Christi deuten, schließt nicht aus, sondern heißt vielmehr: darauf achten, wie Juden die Schrift lesen. Dieses Hören auf die jüdische Tradition erhellt die verschiedenen Teile der Evangelien, die sich so in ihrem ursprünglichen Lebensumfeld wiederfinden. Und es hilft, sich bewusst zu machen, wie sehr der christliche Glaube in dem Volk verwurzelt ist, dass die Offenbarung zuerst erhalten hat.

 

 

Die Stimme der Propheten hören
Mit der Bibel leben führt zu der Erkenntnis, dass zweitausend Jahre nach der Ankunft Jesu die messianischen Verheißungen weit entfernt von ihrer Verwirklichung sind, und wie wenig man an uns Christen das messianische Antlitz Jesu sieht. Dies bedeutet einen dringenden Appell an uns, für Verständnis und Gerechtigkeit gegenüber dem jüdischen Volkes zu wirken, und auf die Stimme der Propheten zu hören, als Stimme aller unterdrückten Menschen dieser Erde.
Dies ist eine Lebensaufgabe.

Verschiedene Lebensformen
Die Berufung "Unserer Frau von Sion" kann sich in verschiedenen Lebensformen ausdrücken:

  1. Apostolische Schwesterngemeinschaften wurden als erste gegründet und arbeiten heute in 21 Ländern.
  2. Gemeinschaften kontemplativer Schwestern haben die Aufgabe, als Zentren der Anbetung und der Fürbitte innerhalb der Kongregation im Dienst der selben Mission zu leben. Von P. Theodore bereits erträumt, wurde dieser kontemplative Zweig 1926, am ersten Christkönigsfest gegründet. Heute leben vier solcher Gemeinschaften in Frankreich, Brasilien und Israel.
  3. Brüder "Unserer Frau von Sion": die Regel der Gemeinschaft der Ordenspriester "Unserer Frau von Sion" wurde 1855 in Paris approbiert. Ursprünglich war ihre Aufgabe die Seelsorge für Schwesternkongregationen, doch später entwickelten sie ihre eigenen apostolischen Aufgaben. Sie haben heute Häuser in Brasilien, Frankreich und Israel.
 

Das Charisma, das Théodore Ratisbonne gegeben wurde, ist eine fortdauerndes Geschenk Gottes für seine Kirche.
Im Licht der Ökumenischen Bewegung und der Zeichen der Zeit ins besonders der Erfahrungen des Jüdischen Volkes, denkt die Kirche nach über ihren Ursprung und ihre Sendung und entdeckt dabei auf neue Weise ihre Wurzeln in der Offenbarung Gottes an Israel..
Gleichzeitig entwickelt sich eine neue Beziehung zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinde.
Inmitten dieser innerkirchlcihen Entwicklung gelangt die Kongregation zu einem besseren Verständnis ihres Charismas und antwortet neu auf die Inspiration ihres Gründers.

(Konstitution, Artikel 3)